Ich komme gerade recht frisch aus einer knapp einjährigen So-gut-wie- Fernbeziehung (70km) mit einer, natürlich, wunderbaren Frau (ich m, 54, sie w, 48) Zur Verarbeitung suchte ich Informationen über Borderline und stieß gestern auf diese außerordentlich gut gelungenen Seite.
Der Hintergrund dafür, warum ich mich mit Borderline beschäftige: In unserer Beziehung erlebte ich diese Frau in allen Phasen so, wie sie hier treffend beschrieben sind. Nach ca. acht Monaten konfrontierte sie mich damit, ein Borderliner zu sein. Ich war reichlich erstaunt darüber und informierte mich, konnte keine aus den gewonnen Erkenntnissen keine signifikanten Parallenen zu mir erkennen. Ich teilte ihr das mit, auf Nachfrage konnte sie mir nicht sagen, worauf sie sich bei meiner Pathologisierung (Symptome, Herkunft usw.) bezieht. Faktisch war ich seitdem als Borderliner eingeordnet, das kam immer wieder in den Gesprächen durch.
Sie selbst stammt aus einer hochproblematischen Kernfamilie. Sie erlitt sexuellen Missbrauch, ihre Mutter wandete sich deshalb von ihr über Jahre hinweg ab. Wie tiefgehend ihre Therapie (oder "einfache" Beratung?) darüber ging, das konnte oder wollte sie mir nicht mitteilen.
Selbst bin ich Scheidungskind geworden, als ich 18 Jahre alt war. Eine liebevolle Ehe meiner Eltern erlebte ich nicht, aber auch keinen Liebesentzug o.ä. mir gegenüber bzw. ich nahm es nicht so wahr.
Vor dreißig Jahren war ich wegen übwermäßigem Cannabiskonsum psychotisch und in stationärer Behandlung, auf Psychpharmaka und andere therapeutische Maßnahmen verzichtete ich im Anschluss. Seit dem bin ich "clean", außer Nikotin habe ich kein stoffliches Substitut.
Vielleicht sind diese Informationen von Relevanz.
Zurück zum Kern.
Nachdem sie unsere Beziehung abrupt beendete (und sich laut ihrer Aussage schon vor einigen Wochen auf "Parship" anmeldete), holte ich ich einige Tage später bei einem langjährig befreundeten Psycholgen und Therapeuten Rat ein. Meine Ex-Partnerin lernte er vor einger Zeit ein Mal kennen. Es ging mir darum, meine Eigenanteile/Muster herauszuarbeiten und ggf. Strategien dafür/dagegen zu entwickeln.
Im Laufe des mehrstündigen Gespräches verschob der Psychologe den Focus auf meine Ex-Partnerin und verblieb dort sehr lange. Er erzählte mir sehr von Projektion und ihren Wirkungen. Von Spiegelungen. Ich begann zu verstehen, dass s i e möglicherweise oder wahrscheinlich ihre eigene (vielleicht!!) vorhandene Borderline in mich projizierte. In mir selbst sah mein Gesprächspartner keine Anteile davon, was mich erleichterte.
Ich beginne, auch dank dieser Seite, zu verstehen, warum diese Beziehung in dieser Dynamik verlief, verstehe die Mechanismen immer besser.
Ganz schlimm für mich ist die Vorstellung, wie i h r emotionales Leben in unserer gemeinsamen Zeit ausgesehen haben könnte und dass wir deswegen letztlich keine echte Chance auf eine dauerhaft stabile und "gesunde" Beziehung hatten.
Diese Erkenntnisse helfen mir auch sehr, bei keinem/r von uns eine Schuld für das Ende zu suchen, wir wussten es einfach nicht besser.
Selbstverständlich weiß ich, dass ich sie auf gar keinen Fall als diagnostizierte Borderlinerin betrachten darf.
Unsere Beziehungsführung und viele Anteile ihrer Persönlichkeit ähneln dem, was auf dieser Seite beschreiben wird, jedoch sehr.
Zum Ende noch etwas prosaisches:
Ich versuchte noch eine Kontaktaufnahme per SMS (jaaa... das ist nicht der richtige Weg, wie ich nun weiß), indem ich ihr vorschlug, gemeinsam eine Paartherapie zu beginnen, wenn auch sie uns beiden als Paar eine Chance geben möchte. Eine Reaktion, eine Woche nach dem Ende, erhielt ich bisher nicht.
Ich wünsche uns allen viel Kraft!